Trauerbegleitung

So, wie wir die Fähigkeit besitzen uns zu freuen, besitzen wir auch die Fähigkeit zu trauern. Das Gefühl der Trauer ist die natürliche Reaktion auf Verluste wie nach Tod, Trennung, Krankheit.

 

Den Schmerz auszudrücken und Tränen als gesunde Reaktion anzunehmen, fällt uns oft schwer. Wir versuchen, stark zu sein und zu funktionieren. Dabei glauben wir, verrückt zu werden, fühlen uns orientierungslos, hilflos. In uns sind Wut, Verzweiflung, Schuldgefühle - Gefühle, die wir uns nicht trauen auszudrücken.

 

Trauer ist keine Krankheit. Aber sie kann krank machen, wenn man sie nicht zulässt.

Trauer muss gesehen werden. Trauern kann man nicht allein.

Unsere Gefühle ordnen sich erst dann, wenn wir sie fühlen und sie sagen dürfen.

Zehn Schritte in Tagen der Trauer – und danach

  • Ich darf mich meiner Trauer völlig hingeben, ohne danach zu fragen, was andere Menschen denken.

  • Ich darf die Schmerzen zulassen, darf weinen und klagen und zornig sein.

  • Ich darf mich während meiner Trauer vom heutigen Leben zurückziehen und ganz in der Erinnerung leben.

  • Ich darf Dankbarkeit empfinden für diesen Menschen, gerade weil mich der Verlust schmerzt.

  • Ich darf Fragen zulassen über meine Versäumnisse gegenüber diesem Menschen. Wenn ich mich schuldig weiss, darf ich diese Schuld eingestehen.

  • Ich darf Fragen zulassen über Versäumnisse und Lieblosigkeit des verstorbenen Menschen mir gegenüber. Ich darf ihm Schuld auch nachträglich vergeben.

  • Ich darf zu Gott beten und klagen. Ich darf bei ihm «abladen».

  • Ich darf auf ein Leben nach dem Tod hoffen und trotzdem in dieser Welt leben.

  • Ich darf so trauern, weil es für mich und meine Heilung gut ist.

  • Ich darf das «neue Leben» nach der Trauer so führen, wie ich es für gut halte.



Quelle: «In Tagen der Trauer» von Rainer Haak; Herder-Verlag, 2003, 56 Seiten, Fr. 12.80